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Maritus und coniunx - Judith Hindermann (Basel)

Während die Termini für „Frau“ bzw. „Ehefrau“ gut erforscht sind, fehlen vergleichbare Studien zur Bezeichnung für „Mann“ bzw. „Ehemann“.
Die quantitative Verteilung des Terminus maritus in der römischen Literatur zeigt, dass Männer weit seltener als Frauen durch ihre soziale Stellung und Funktion definiert werden, sondern dass die Nennung mit dem Eigennamen als ausreichend empfunden wird.
Die Bezeichnung maritus wird v.a. in Werken verwendet, wo es spezifisch um die Rolle bzw. die Aufgaben und Rechte eines Ehemannes geht. In anderen literarischen Gattungen wie etwa dem Epos ist der Begriff maritus dagegen selten.
Der Begriff maritus in der Bedeutung von OLD 1a (a husband) erscheint häufig in :
1 a Rechtstexten
z.B. in den Digesten des Iustinian 2,8,15,4 ; 3,2,11,1
b deklamatorischen Übungen bzw. Werken über Rhetorik
z.B. Seneca, Controuersiae 1,4,6 ; 2,2,5 ; Quintilian, Declamationes minores 247,8 ; 251,2 und Declamationes maiores 1,2 ; 2,4
2 In Werken, in denen Frauen als Akteurinnen tragenden Rollen innehaben
z.B. Apuleius, Metamorphoses 5,4 ; 9,5 ; 9,20 oder Tacitus, Annales 4,3 ; 13,19
3 In Werken, in denen Männer (oft zu diffamierendem Zweck) via ihr Verhältnis zur Ehefrau definiert werden
z.B. Martial 2,47 ; 7,71, Juvenal 6,211 ; 6,432, Plinius, Epistulae 3,16,2 ; 6,31,4

Während sich maritus auf die klar definierte soziale und rechtliche Rolle eines Ehemannes bezieht, steht coniunx (in der Bedeutung von OLD 1b : a husband) bzw. das weit seltenere coniux generell für den männlichen Partner in einer Ehe. Bei einzelnen Autoren lassen sich Vorlieben für einen der beiden Begriffe feststellen : So zieht z.B. Apuleius maritus dem Begriff coniunx (nur in Met. 8,12) eindeutig vor, Vergil dagegen verwendet zumeist coniunx (Aen. 1,343), bisweilen aber auch maritus (Aen. 3,297). Ovid verwendet beide Begriffe (coniunx : Her. 8,81 ; 16,201 ; Met. 1,605 ; maritus : Her. 16,299 ; Met. 1,606), maritus aber doppelt so häufig wie coniunx. Cicero benutzt in seinen Briefen keinen der beiden Termini in Bezug auf den Ehemann, Plinius nur maritus.
Generell ist coniunx häufiger in der Poesie, maritus dagegen in der Prosa anzutreffen. Eine diachrone Veränderung in der Verwendung der Begriffe maritus und coniunx, wie sie Adams (1972) für mulier, femina, coniunx und uxor aufzeigt, lässt sich nicht feststellen.


Pour citer cette fiche / To cite this entry
Référence électronique / Electronic reference
Maritus und coniunx - Judith Hindermann (Basel)), EuGeStA Lexicon, 15 May 2014
http://eugesta.recherche.univ-lille3.fr/spip.php ?article104